Von Hochs und Tiefs

Da miau so sehr zu mir gehört und ich mein ganzes Herz in mein Label stecke, möchte ich dies hier schreiben. Auch wenn ich lange hin- und herübelegt habe, ob das klug ist. Aber weil ich möchte, dass alles transparent abläuft und ihr nicht nur wissen sollt, woher das Leder stammt oder wie ich die Sachen herstelle - so möchte ich auch die andere Seite zeigen. Die Seite, die hinter dem Design steckt und was es heißt, wirklich alles alleine zu machen.

 

Ich bin kein Marketingexperte. Ich habe Illustration studiert und neben dem Studium meinen kleinen Dawandashop gehabt. Nach meinem Abschluss stand ich wie viele vor einem großen Fragezeichen. Und jetzt? Was mache ich mit diesem Abschluss, von dem mir gesagt wurde, dass er zu künstlerisch ist? Nachdem ich erst Fotografin bei einer großen Kette war (manchmal 12 Stunden Pass- und Berwerbungsbilder ... ein Traum), ging es in einen großen Verlag als Foodstylisten. Das war schon eher was frü mich. Aber als Praktikantin musste ich mir was dazuverdienen und plötzlich ging es los mit Bestellungen. Dawanda hat mich auf die Startseite gepackt. Also musste ich nach der Arbeit weiterarbeiten. Da kamen einige Stunden zusammen. Und nach einem halben Jahr stand für mich fest, dass ich das - genau das - machen möchte. Mein eigener Chef sein. Ich wollte es alles richtig machen.

 

Nur meinen Kopf habe ich nicht mit einberechnet. Meine Tagträume, mein Drang alles ausprobieren zu wollen. Zur gleichen Zeit sind meine Eltern aus meiner Heimat weggezogen. Und auf einmal hatte ich das Gefühl, dass mir der Boden unter den Füßen wegbricht. Ich konnte gleichzeitig nicht über meine Trauer reden. Habe mich in meiner Arbeit verkrochen und habe wie eine Besessene jeden Tag neue Dinge gemacht. Bis das nicht mehr funktionierte und ich mich selbst in eine Ecke katapuliert habe. Ich bin ausgebrochen. Ab nach Quedlinburg. Einen eigenen Laden gehabt. Die Heimat genossen. Die Freiheit hielt ca. eine Woche. Schnell habe ich meinen Denkfehler bemerkt. Ich dachte, in meine Vergangenheit zurückgehen würde helfen. Aber es hat alles verschlimmert.

 

Die Selbstzweifel wurden immer größer. Dann haben sich auch noch meine Eltern getrennt. Und alls war auf einmal anders. Wieder konnte ich nicht darüber reden. Wollte Stütze sein für meine Eltern, aber dafür ist man als Kind nicht zuständig, in einer Trennung abzufangen.

Ich habe Hamburg vermisst. Meine Leute.

 

Paralleel zu allem privatem Kram, kam natürlich dazu, dass alles weiterlaufen musste. Der Laden musste pünktlich offen sein, die Miete bezahlt, Krankenkasse, Rentenversicherung, Buchhaltung. Zweimal im Monat zu Märkten fahren, dafür vorproduzieren und Marktkosten tragen. Immer neue Ideen liefern und nie wissen, ob sie ankommen werden. Nach 6 Monaten habe ich den Laden gekündigt und bin drei Monate später wieder in Hamburg gelandet. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich war komplett am Ende.

Im Oktober ein erstes Anzeichen, im November dann der komplette Zusammenbruch. Ich wollte nicht mehr da sein. Eine gute Freundin brachte mich in die Klinik. Es war zwar nicht der richtige Ort, aber ein guter Anfang.

 

Es ist mein Traum frei zu sein. miau gibt mir diese Freiheit. Aber ich musste lernen, Dinge abzugeben. Gewissenhafter zu rechnen, auch mal nein zu sagen. Ich möchte, euch eine Freude bereiten, wenn ihr eure Bestellung erhaltet.

 

Ich gebe mein Bestes, dass es mir wieder gut geht und meine Freiheit zu bewaren.

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Kommentare: 1
  • #1

    Katrin (Freitag, 10 März 2017 16:10)

    Das ist sehr berührend und sehr offen, was Du über Dich schreibst. Ich sage jetzt einfach mal Du, und hoffe, dass das in Ordnung ist. Ich habe vor längerem ein wunderschönes Portmonee von Dir gekauft und empfinde es als ganz wunderbar, dass ich weiß, wer es gemacht hat. Von Dir als Designerin aus Hamburg. Umso mehr ist das natürlich berührend, dann diese Zeilen zu lesen, denn: Trotz allem Kreativen und Schönen muss alles im Gleichgewicht sein oder ins Gleichgewicht kommen. Es gehört viel Mut dazu, einen eigenen Laden zu eröffnen und somit völlig selbstständig für sich zu sorgen. Da ist es vielleicht ein bisschen viel, auch noch die Schwere der Elterntrennung sich auf die Schultern zu packen. Irgendwann sind diese zu schwach. Es ist gut, dass Du einen Anfang gemacht hast, um wieder fest auf dem Boden zu stehen. Irgendwie ist das vielleicht auch im Erwachsenenleben so, dass man erstmal seinen Platz finden muss. Und manchmal braucht es auch Zeit, den richtigen Begleiter, den richtigen Therapeuten zu finden. Ich wünsche Dir das sehr. Ich möchte Dir etwas mitgeben, was mir selber Kraft gegeben hat als mein Vater im Sterben lag und ich dachte, das würde ich selber nicht überleben: "Alles, was du willst, liegt auf der anderen Seite deiner Angst." - Ich habe überlebt, jenseits meiner Angst. Das wünsche ich Dir auch. Alles Gute, von Herzen!